Schon 1671 wurde der Hof von Michael Böck in Genderkingen urkundlich erwähnt, die Familie Böck wirtschaftet dort seit 1751. Michael Böck ist gelernter Techniker für Landbau. Sein Interesse gilt der umweltverträglichen Landwirtschaft und neuen „alten“ Kulturen – wie dem insektenfreundlichen Lein. Die Bäckerei Wolf bezieht von Michael Böck vor allem Ölsaaten wie (Bio-)Kürbiskerne und Leinsamen, Blaumohn und Kümmel.
Im Gespräch mit der Kernmanufaktur Böck.
Herr Böck, Sie bauen Ölsaaten für die Bäckerei Wolf an. Um was genau handelt es sich dabei und wie kam es dazu?
Aktuell bauen wir für die Bäckerei Wolf Kürbiskerne, Leinsamen und Mohn an. Für Brote oder Semmeln, so wie man das eben kennt. Wir liefern schon seit 2012 verschiedene Produkte aus dem Eigenanbau an die Bäckerei Wolf. Vor ein paar Jahren kam dann von Alexander Wolf die Aussage, er würde gern Kürbiskerne aus der Region haben. Also haben wir das einfach versucht. Und es hat geklappt. Letztes Jahr haben wir uns in das Projekt „Lein“ und „Mohn“ gestürzt, zunächst auf eigenes Risiko. Und auch das funktioniert sehr gut, sodass wir die Bäckerei Wolf damit beliefern können. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, jedes Jahr eine neue Kultur auf einer kleineren Fläche auszuprobieren, weil uns die Vielfalt in der Landwirtschaft interessiert. So kamen aus Neugier Projekte zustande, die sich hier richtig erfolgreich entwickelten. Auch bei den Kürbiskernen war das so. Die verbindet man ja eher mit Österreich, mit der Steiermark etwa. Aber wir sind heute in der Lage, Kürbiskerne in absolut vergleichbarer Qualität für die Bäckerei Wolf zu produzieren. Schön dunkelgrün, ohne Schale und flach.
Sie verzichten ja beim Anbau der Ölsaaten vollständig auf Insektizide und Glyphosat?
Ja, das garantieren wir. Was es bei uns zu kaufen gibt, ist ausschließlich selbst angebaut. Wir kaufen nichts dazu. Deshalb kann ich Gesicht zeigen und mit meinem Namen zur Qualität meiner Ware stehen, ob konventionell oder bio. Leinsamen und Mohn bauen wir für die Bäckerei Wolf konventionell an, aber ganz ohne Insektizide und ohne Glyphosat. Genauso ist es bei den Kürbiskernen im konventionellen Bereich. Und dann haben wir noch Kürbiskulturen im reinen Bio-Anbau, das bedeutet, hier wachsen die Kürbisse auf bio-zertifizierten Flächen.
Das geht auch auf eine Anfrage der Bäckerei Wolf zurück, die für ihr Bio-Sortiment bio-zertifizierte Kürbiskerne braucht. Da wir seit 2012 eine bio-zertifizierte Ackerfläche haben, ist uns der Schritt 2018 leicht gefallen, auch noch einen reinen Bio-Betrieb zu gründen, damit die Umstellung und Zertifizierung sauber erfolgen kann. Inzwischen bauen wir auf 12 Hektar Bio-Ware für das Bio-Sortiment der Bäckerei Wolf an.
Jetzt sind wir so weit, dass wir den gesamten Bedarf an Kürbiskernen für das Bio-Sortiment der Bäckerei Wolf liefern können – aus der Region! Ich bin dafür sehr offen. Als ich 2007 den Hof von meinem Vater übernommen habe, war mir klar, dass mir die biologische Landwirtschaft näher steht als die konventionelle. Zu meiner Motivation sag ich gradraus: Ich bediene einen Markt und ich bin leidenschaftlicher Landwirt. Wenn unsere Kunden sagen, wir wollen jetzt bio, sag ich „Danke, da bin ich dabei“!
Leinsamen- und Mohnfelder sieht man selten – obwohl früher für die Flachsgewinnung viel Lein in Bayern wuchs. Welche Erfahrungen machen Sie beim Anbau solcher vermeintlicher „Exoten“ heute?
Da sind wir beim Punkt. Das meiste an Lein kommt heute aus der Ukraine, Kasachstan und Russland. Ich habe mich gefragt: Wenn etwas traditionell hier bei uns angebaut und konsumiert wurde, muss es ja wohl hier gut wachsen. Warum sollten wir es dann zweieinhalbtausend Kilometer weit her holen? Auf der anderen Seite ist klar: Bei meiner Art des Wirtschaftens kann ich es nicht so günstig wie die Welt. Unsere Kosten sind einfach höher, weil wir viel mehr Aufwand haben. Ein Beispiel: Die Stängel des Leins sind sehr langfaserig, deshalb wurde er früher ja auch bevorzugt für die Weberei angebaut. Aber wenn man die Leinsamen ernten will, sind diese Fasern ein Problem, weil sie sich in den Erntemaschinen verfangen. Um die Samen leichter zu ernten, werden deshalb heute oft die Leinstängel und -blätter mit Glyphosat vernichtet. Das kommt für uns nicht infrage. Wir töten den Lein nicht mit Glyphosat ab, sondern machen uns die Mühe und räumen den Mähdrescher immer wieder sauber, wenn sich die langen Pflanzenfasern drumherum wickeln. Solche Erfahrungen macht man in der Praxis, lernt dazu, findet Lösungen und gewinnt Know-how. Der Aufwand ist aber für einen
regionalen Familienbetrieb wie unseren
beträchtlich, wenn wir umweltfreundlich und kostendeckend produzieren und zugleich sichere Mengen liefern wollen. Die Bäckerei Wolf ist dabei ein toller Partner. Sie nimmt uns den Leinsamen und auch den Mohn trotz des höheren Preises ab, weil sie das Regionale fördern und weil sie auch den Vorteil für die Umwelt sehen. Es gibt auch noch einen anderen Aspekt der Anerkennung. Wir bekommen viele gute Rückmeldungen, gerade beim Lein, den heute kaum jemand mehr kennt. Die Leute freuen sich, wenn sie die blaublühenden Felder sehen, voller Summen und Brummen, weil Bienen und viele andere Insekten den Lein lieben. Da erhält man als Landwirt auch mal ein Lob, das ist schön.
Ihren Hof gibt es schon seit dem 17. Jahrhundert. Was bedeutet das für Sie?
Das ist für mich einfach etwas, in das ich hineingewachsen bin. Landwirte denken nicht in Monaten, sondern in Generationen. Wir sind ein Familienbetrieb. Meine Frau arbeitet mit, und wenn viel Arbeit ist, unterstützen uns Freunde oder ein paar Helfer. Ich bin mit Leib und Seele Landwirt. Das ist einfach mein Leben, schon immer.