Duftende Schönheit
Mitte Mai blüht auf unserer Insektenwiese in der Stuttgarter Straße die Nachtviole: eine sehr attraktive, vielblütige Staude, welche besonders durch ihren wunderbar süßen Duft auffällt. Die zwei- bis mehrjährige Schönheit steht speziell bei einer Reihe von einheimischen Nachtschmetterlingsgruppen wie Schwärmern und Eulen hoch im Kurs, da ihre kleinen Blütenkelche reichlich Nektar enthalten. Die selbstaussähende Pflanze wird im Idealfall in ihrem Bestand auf der Fläche noch zunehmen. Vorausgesetzt, sie wird nicht durch invasive Arten verdrängt, von denen sich in der Umgebung bereits einige etabliert haben. Zielgerichtete Pflegemaßnahmen von Hand durch Studierende der Universität Augsburg sollen die Entwicklung der Fläche in die richtige Richtung lenken.
Leben in Vielfalt
Um die Artenvielfalt an Insekten und Vögeln zu steigern, braucht es Vielfalt an Strukturen, Bäumen, Sträuchern und Kräutern. Anfang Juni 2025 besiedeln unsere neu angelegte Fläche über 40 Wildblumen- und Kräuterarten, darunter Eyecatcher wie die Eselsdistel und die Nachtviole. Auf dem hinteren Parkplatzteil und dem gegenüberliegenden Hügel legen wir seit Jahren Wert auf die Entwicklung eines gesunden Bestands an einheimischen Baumarten. Einige dieser Bäume haben wir bewusst mit dem Ziel gepflanzt, seltenen Schmetterlingsarten Nahrung zu bieten. Dazu zählen Silber- und Salweiden, Schwarzpappeln und Birken.
Das Zusammenspiel zwischen der Blühfläche und den Bäumen in ihrem Umfeld schafft eine Oase des Lebens. Dass die Strategie funktioniert, zeigen Sichtungen seltener Nachtschmetterlinge. Der rosa gefärbte Mittlere Weinschwärmer trinkt im Juni an den Blüten der Nachtviole, das gut getarnte Abendpfauenauge frisst als Raupe ausschließlich die Blätter der Weidenarten.
Beobachten und Dranbleiben
Wer eine artenreiche Blühwiese zur Unterstützung einheimischer Insekten angelegt hat, sollte deren Entwicklung regelmäßig beobachten. Da gibt es einerseits viel Interessantes zu sehen: Wildblumen und Kräuter, die zu blühen beginnen und hungrige Besucher, die sie anfliegen. Auf unserer Fläche blühen Ende Juni etwa zehn Wildblumenarten, darunter der Mohn, die Färberkamille und die Flockenblume. Bei den Wildbienen besonders beliebt ist das Johanniskraut. Andererseits müssen wir auch invasive Pflanzenarten im Auge behalten und diese entfernen, um die Entwicklung der Fläche nicht zu gefährden. Zu ihnen gehört derzeit der Feinstrahl und das aus Südafrika stammende schmalblättrige Greiskraut. Beide reißt man am besten mit der Wurzel aus.
Unsere Artenschutzwiese im Herbst 2025
Mitte September sind die meisten Wildblumen auf unserer Wiese verblüht. Das heißt aber nicht, dass wir jetzt mähen. Denn viele Arten, speziell solche, die im Sommer farbenfroh geblüht haben, brauchen noch Zeit für die Samenreife. Erst wenn diese abgeschlossen ist, können wir auf Nachwuchs im kommenden Jahr hoffen. Deshalb werden wir erst ab Mitte Oktober mit einer insektenschonenden Sensenmahd beginnen. Auf diese Weise werden wertvolle Arten in ihrem Bestand gefestigt, damit sie sich dauerhaft ansiedeln.